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Sozialraum: Lässt sich das Unplanbare planen?

An einer grossen Fachtagung im Zürcher Volkhaus haben sich vergangene Woche 250 Fachleute aus dem Bereich Soziokultur mit den Herausforderungen einer sich ständig wandelnden Stadt befasst. Neben baulichen Entwicklungen entstehen dabei auch neue Formen des Zusammenlebens, wobei sich aber das soziale Stadtleben nicht immer an die Ideen von Städteplanern und Bauherren hält. Dennoch lässt sich der Sozialraum gestalten: Dies zeigte sich am Nachmittag, an dem die Teilnehmenden auf 13 verschiedenen Exkursionen unterschiedliche Orte der Stadt Zürich besuchten.

Die Gestaltung des sozialen Lebens in einer Stadt ist eine Herausforderung, die ständigem Wandel unterworfen ist. In der politischen Diskussion werde jeweils, so hob Stadtrat Raphael Golta, Vorsteher des Sozialdepartements der Stadt Zürich, bei der Eröffnung der Tagung hervor, fast ausschliesslich über die personellen und finanziellen Ressourcen diskutiert, eine weitere dritte Ressource werde hingegen oft vergessen: der Raum, in dem sich die Menschen begegnen. Dieser dritten Dimension war die grosse, von der Zürcher Gemeinschaftszentren (ZGZ) und der Offenen Jugendarbeit Zürich (OJA) in Zusammenarbeit mit dem Kontraktmanagement des Sozialdepartementes und den Sozialen Diensten der Stadt Zürich organisierten Fachtagung «Sozialraum Stadt» gewidmet. Mit Referaten, einer Podiumsdiskussion sowie 13 Exkursionen wurde das Thema von 250 Fachleuten, vornehmlich aus dem Kanton Zürich, von verschiedener Seite her beleuchtet.

Urbanität als Prozess verstehen

Ernst Hubeli, Mitinhaber des Architekturbüros Herczog Hubeli Architekten, behandelte das Thema aus städtebaulicher Sicht. Dabei arbeitete er sehr schön heraus, wie zentral öffentliche Erdgeschoss-Nutzungen für einen funktionierenden Sozialraum sind. Gibt es keine solche, so wird der Raum eingeschränkt und abgeriegelt. Ein Befund, der von Christian Schmid, Professor für Soziologie an der ETH Zürich, aufgrund einer Studie bestätigt wurde: Nur dort, wo Begegnung von Menschen zugelassen werde, wo verschiedene Interessen, unterschiedliche Fähigkeiten und Vorstellungen aufeinandertreffen dürfen, entstehe urbanes Leben. Urbanität könne deshalb auch nicht gebaut, sondern müsse als Prozess verstanden werden.

Als dritter Referent berichtete Christoph Stoik, Dozent an der Fachhochschule Campus Wien, von Erfahrungen bei der Gestaltung des öffentlichen Raums in der österreichischen Hauptstadt. Anhand von Beispielen zeigte er auf, dass die Gestaltung nur bedingt planbar ist, sich Jugendliche zum Beispiel neugestaltete Brunnenanlagen ganz anders zu eigen machten als geplant. Ein gelungenes Beispiel für eine zuvor von Ernst Hubeli in den Raum gestellte Frage: Kann Sozialraum überhaupt planmässig gestaltet werden? Lässt sich das Unplanbare planen?

Gemeinschaftszentren als Seismographen der Veränderungen

Auf die Frage, inwieweit der Sozialraum proaktiv gestaltet werden kann, nahmen auch diverse Teilnehmer einer Podiumsdiskussion mit Personen aus der Praxis in der Stadt Zürich Bezug. Christian Halblützel, Geschäftsführer der Zürcher Gemeinschaftszentren, bestätigte, dass sich soziales Leben nur sehr bedingt planen lasse, eine dezentrale Organisation wie die ZGZ mit 17 Standorten diene aber gewissermassen als Seismograph, der frühzeitig Veränderungen wahrnehme, so dass auf neue Entwicklungen reagiert werden könne. Mit GZ-Satelliten wie im Gebiet Manesse oder dereinst in Leutschenbach oder in der Manegg soll dieses Seismographen-Netz weiter verfeinert werden. Giacomo Dallo, Geschäftsführer der Offenen Jugendarbeit Zürich, plädierte zudem dafür, bei langfristigen Planungen nicht 15 Jahre im Voraus alles bis ins letzte Detail festzulegen, sondern auch Mittel zur Verfügung zu stellen, damit verschiedene Zielgruppen die Örtlichkeiten später nach eigenen Vorstellungen gestalten können. Gerade bei Jugendlichen sei das zentral, denn jene Jugendliche, die bei der Planung über Partizipationsprojekte eingebunden worden seien, seien bei der Fertigstellung des Projektes längst durch die nächste Generation Jugendlicher abgelöst worden.

Im Gespräch wurde auch die Entwicklung und Bedeutung der Soziokultur in der Stadt Zürich näher beleuchtet. Mirjam Schlup, die Direktorin der Sozialen Dienste der Stadt Zürich, wies dabei daraufhin, dass die Soziokultur vor 20 Jahren vor allem als «Reparaturwerkstatt» verstanden wurde, die zum Einsatz kam, wenn sich nach Abschluss eines Projektes gezeigt habe, dass die von der Planung erhofften Effekte nicht eingetreten seien. Dem sei heute nicht mehr so: Der sozialräumliche Aspekt der Städteplanung erhalte von Anfang an mehr Gewicht. Bea Troxler, die Leiterin des Kontraktmanagements beim Sozialdepartement der Stadt Zürich, wies ihrerseits darauf hin, dass die Ziele und die Arbeitsweise der Soziokultur vor fünf Jahren breit diskutiert und neu ausgerichtet wurden, was das Wissen und die Transparenz darüber, was die soziokulturelle Arbeit der Gemeinschaft bringe, erhöht habe. Die Soziokultur sei heute politisch wohl weniger umstritten, als noch vor einigen Jahren.

Spannende Exkursionen in der Stadt

Am Nachmittag verliessen die 250 Teilnehmenden den Tagungsort und begaben sich auf 13 verschiedene Exkursionen in der Stadt Zürich. Eine diese Exkursionen führte etwa auf den Röschibachplatz in Wipkingen, der im Sommer 2015 nach 17jähriger Vorlaufzeit neugestaltet worden war, eine lange Zeit, während der der Partizipationsprozess in geeigneter Form aufrechterhalten werden musste. Eine andere Gruppe besuchte die Brache Guggach, welche aktuell im Rahmen einer vom GZ Buchegg und Grün Stadt Zürich koordinierten Zwischennutzung für Projekte aller Art genutzt werden kann. Am Beispiel des Quartierparks Schütze wurde gezeigt, wie Partizipationsprozesse mit Kindern und Jugendlichen aussehen können. In Oerlikon wurde ein mobiles Ferienprogramm, das in einer Siedlung, die sich aktuell im Umbruch befindet, vorgestellt. In der Siedlung Ruggächern wurde derweil gezeigt, wie die Bedürfnisse von Jugendlichen in genossenschaftlichen Siedlungen Raum erhalten können. Die verschiedenen Besuche boten den Teilnehmenden die Chance, mit den Verantwortlichen die jeweiligen Herausforderungen und Herangehensweisen zu diskutieren und von den gemachten Erfahrungen zu profitieren.

Kontakt für Medien:

Christian Hablützel, Geschäftsführer Zürcher Gemeinschaftszentren, Tel. 043 300 60 00, Mail: christian.habluetzel@gz-zh.ch

Publiziert am: 31.05.2016

Neue Geschäftsführerin für die Zürcher Gemeinschaftszentren: Sabine Schenk folgt auf Christian Hablützel

An der Spitze der Geschäftsleitung der Zürcher Gemeinschaftszentren (ZGZ) kommt es zu einem Wechsel: Der Stiftungsrat der ZGZ hat Sabine Schenk als neue Geschäftsführerin gewählt. Sie wird ihre Aufgabe am 1. Juni 2016 übernehmen und folgt damit auf Christian Hablützel, der diese Funktion acht Jahre lang wahrgenommen hat. 

Sabine Schenk, die neue Geschäftsführerin der Zürcher Gemeinschaftszentren (ZGZ), hat an der Universität Fribourg Pädagogik und pädagogische Psychologie studiert und das Studium mit dem Lizentiat abgeschlossen. Anschliessend war sie mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Marie Meierhofer-Institut tätig. Als Gemeinwesenarbeiterin im Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich hat sie später unter anderem das Familienzentrum Uster und Dübendorf aufgebaut und geleitet. Von 2006 bis heute war Sabine Schenk in leitenden Positionen bei den Sozialen Diensten der Stadt Zürich tätig. Zuletzt leitete sie seit 2014 die Quartierkoordination. Sabine Schenk (Jg. 1968) ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt in Uster. 

Mit Sabine Schenk erhalten die Zürcher Gemeinschaftszentren eine hervorragend qualifizierte neue Geschäftsführerin: Neben ihrem Fachwissen verfügt sie über ein gutes Netzwerk sowohl in der Fachwelt wie auch zu weiteren wichtigen Partnerorganisationen der ZGZ. Auch die Zusammenarbeit mit den für die Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren wichtigen Hochschulen ist ihr vertraut. Der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung der ZGZ freuen sich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit der neuen Geschäftsführerin.

Christian Hablützel – ein prägender Geschäftsführer geht

Durch den Wechsel an der Spitze der Geschäftsleitung geht mit Christian Hablützel ein Geschäftsführer, der die Organisation seit seinem Stellenantritt 2008 massgeblich geprägt hat. Insbesondere die gelungene Überführung der ZGZ von einem Geschäftsbereich der Pro Juventute in eine selbständige Stiftung sowie der Aufbau einer zweckmässigen Organisationsstruktur mit den drei Fachbereichen Quartierarbeit, Jugendarbeit sowie Bildung und Gestaltung waren wichtige Meilensteine. Ebenfalls von grosser Wichtigkeit war die Erarbeitung der Grundlagen für die Neuausrichtung der Soziokultur in der Stadt Zürich. Weiter hat Christian Hablützel die Zusammenarbeit mit diversen Fachhochschulen vorangetrieben, insbesondere was die Begleitforschung betrifft. Aktuell sind die ZGZ Hauptumsetzungspartner in einem Forschungsprojekt der Zücher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Eidgenössischen Kommission für Technologie und Innovation (KTI), in dem neue Modelle für den soziokulturellen Bedarf von Städten und Gemeinden erarbeitet werden.

Christian Hablützel will sich inskünftig beruflich auf kleinere Mandate sowie einige Lehraufträge an Fachhochschulen konzentrieren – und sich darüberhinaus vermehrt auch privaten und familiären Interessen widmen. Der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung der ZGZ danken dem abtretenden Geschäftsführer für seinen jahrelangen, unermüdlichen Einsatz für die Zürcher Gemeinschaftszentren ganz herzlich.

Kontakt für Medien: 

Christian Hablützel, Geschäftsführer Zürcher Gemeinschaftszentren, Tel. 043 300 60 00, Mail: christian.habluetzel@gz-zh.ch; Ab dem 1. Juni: Sabine Schenk, Geschäftsführerin Zürcher Gemeinschaftszentren, Tel. 043 300 60 00, Mail: sabine.schenk@gz-zh.ch

 

Publiziert am: 25.05.2016

Zürcher Gemeinschaftszentren: Nahe bei den Leuten bleiben

In den letzten Jahren ist die Stadt Zürich stark gewachen, vielernorts sind grosse neue Siedlungen entstanden, teilweise schon fast ganze Stadtteile neu hochgezogen werden. Diese Entwicklung fordert auch die Zürcher Gemeinschaftszentren heraus, wollen sie möglichst nahe am Puls der Bevölkerung, an den Bedürfnissen und Wünsche von Jung und Alt bleiben. Wie die Zücher Gemeinschaftszentren auf diese Veränderungen und Herausforderungen reagieren und der Bevölkerung in den Stadtzürcher Quartieren vielfältige Möglichkeiten zur Begegnung und Beteiligung bieten, zeigt der eben erschienene Jahresbericht 2015.

Seit mehr als 60 Jahren investieren die Zürcher Gemeinschaftszentren (ZGZ) im Auftrag der Stadt Zürich in Kultur und Bildung, schaffen Freiräume für Austausch und Begegnung. Die Gemeinschaftszentren tun dies in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung der jeweiligen Quartiere, nehmen Trends und Entwicklungen vor Ort auf. Und diese Arbeit wird von den Stadtzürcherinnen und Stadtzürchern geschätzt: Im vergangenen Jahr konnten die Zürcher Gemeinschaftszentren total 1,17 Mio. Besuche verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies ein leichter Anstieg von 20'000 zusätzlichen Besuchen.

Dass die Zürcher Gemeinschaftszentren versuchen, auch in Zukunft möglichst nahe bei den Leuten zu sein, spiegelt sich auch im Jahresbericht 2015 wieder: Thema ist zu einem der Umzug des GZ Leimbach von den alten Barackenbauten am Waldrand mitten ins Zentrum von Leimbach. Ein Gewinn für das Quartier: Das Bistro hat sich schnell zu einem Treffpunkt für alle Generationen entwickelt und auch die Nutzerzahlen bei den Angeboten steigen. Ein weiterer Beitrag widmet sich dem Thema GZ-Drehscheiben: Mit diesen «Satelliten» reagieren die Gemeinschaftszentren auf den Bau neuer Stadtteile und die zunehmende Ausdifferenzierung in bestehenden Quartieren.

Panorama zur Arbeit der Zürcher Gemeinschaftszentren

Neben der eigentlichen Berichterstattung über die Geschäftstätigkeit und das positive finanzielle Ergebnis bietet der Jahresbericht 2015 wie bereits in den Vorjahren einen Einblick in die vielfältige Arbeit der Zürcher Gemeinschaftszentren. So wird etwa auf das erfolgreiche Projekt «jugendarbeit@night» zurückgeblickt: Anfang November hielten die Gemeinschaftzentren und die Offene Jugendarbeit Zürich in der «Langen Nacht der Jugendarbeit» alle ihre Jugendtreffs bis Mitternacht und teilweise darüberhinaus offen. Am gut besuchten Anlass konnte so den Jugendlichen das breite Angebot in der offenen Jugendarbeit unmittelbar näher gebracht werden.

Der Jahresbericht 2015 gewährt aber auch einen Einblick in die alltägliche Arbeit der Zürcher Gemeinschaftszentren, etwa zur Aktion des GZ Hirzenbach zum Tag der Kinderrechte, zu einem gemütlichen Anlass zum Tag des älteren Menschen im GZ Oerlikon, zu einem vom GZ Buchegg mitorganisierten Kulturfestival auf der Brache Guggach, zur Konzert-Reihe «Jazz im Seefeld» im GZ Riesbach, zu einem vielgenutzten Schreibdient im GZ Affoltern sowie zu einem Treffpunkt für junge Mütter im GZ Schindlergut.

Der Jahresbericht 2015 steht unter «Stiftung» zum Download bereit.

Publiziert am: 12.05.2016

Fachtagung Sozialraum Stadt 26.05.2016

Die Zürcher Gemeinschaftszentren organisieren zusammen mit dem Sozialdepartement der Stadt Zürich und der Offenen Jugendarbeit Zürich eine Fachtagung zum Thema Sozialraum Stadt. 

Die Tagung beschäftigt sich mit Fragen zur Sozialen Stadtentwicklung an der Schnittstelle zwischen baulicher Entwicklung und dem Zusammenleben im Sozialraum. Sie präsentiert Erfahrungen und Expertise aus der Stadt Zürich sowie Herausforderungen von morgen.

Der ganztägige Anlass findet am 26. Mai 2016 im Volkshaus in Zürich statt. Infos und Anmeldung unter: fachtagung-sse.ch 

Medienmitteilung

Publiziert am: 02.05.2016

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Stefan Feldmann, Medienbeauftragter
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Sabine Schenk, Geschäftsführerin
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