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Jazz im Seefeld

Donat Fisch Quartett

Donat Fisch, ts & as
Andy Scherrer, ts
Bänz Oester, b
Norbert Pfammatter, dr

 

Statt ein neues Projekt nach dem anderen aus dem Hut zu zaubern, findet Fisch immer wieder neue Nischen innerhalb seiner hochgradig eigenständigen Musik, die zwischen folkloristischer Einfachheit und scharfsinniger Komplexität oszilliert. So fügt er nun seinem Trio, mit dem er das famose Unit-Album «Live im Bird’s Eye» aufgenommen hat, eine zweite Saxofon-Stimme hinzu - und zwar nicht irgendeine, sondern diejenige von Andy Scherrer, der einst sein Lehrmeister war und dem er jetzt auf gleicher Augenhöhe begegnet. Gespannt und gebannt verfolgt man, wie sich Scherrer in die Trio-Konstellation einfügt, nämlich so überzeugend, dass wir es tatsächlich mit einem neuen Quartett zu tun haben und nicht mit einem Trio plus Gast. 

Es mag hochtrabend klingen, aber falsch ist es trotzdem nicht, von einem Gipfeltreffen der Grossmeister zu sprechen. Dass Fisch und Scherrer zur Sorte Mensch gehören, die ihr Licht bescheiden unter den Scheffel zu stellen pflegt, ändert nichts an der Tatsache, dass sie als Saxofonisten den Vergleich mit weitaus berühmteren Kollegen aus Übersee keineswegs zu scheuen brauchen.

Gemeinsam verfügen Fisch und Scherrer über eine geradezu enzyklopädische Kenntnis saxofonistischer Ausdrucksmöglichkeiten - ihr vielschichtiges Spiel verströmt authentische Weisheit, weil man ihm nach ein paar wenigen Tönen anmerkt, dass hier grosse Vorbilder nicht zitiert, sondern transzendiert werden. Ähnliches liesse sich über das herausragende «drum’n’bass»-Gespann Norbert Pfammatter / Bänz Oester sagen, das die beiden Saxofonisten beflügelt und auch solistisch brilliert. 

Auch im Jazz wird zuweilen ganz schön viel Bullshit verzapft. Das neue Fisch-Album „Lappland“ ist ein Anti-Bullshit-Statement par excellence. Hier sind Musiker am Werk, die nicht Phrasen dreschen, sondern ihr immenses Können dazu nutzen, essenzielle Aussagen zu machen. Dabei kommen sie mal ohne Umschweife zur Sache, mal bewegen sie sich in schwindelerregenden Spiralen aufs Ziel zu. Auf Effekthascherei und selbstverliebtes Virtuosentum wird mit souveräner Reife verzichtet.

Tom Gsteiger Februar 2010

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